Meine Tochter geht auf die Vorschule in unserem Stadtteil. Seit diesem Jahr ist der Anteil von “Kindern mit hohem oder sehr hohem Förderbedarf” sehr hoch. Er liegt bei einer Klassenstärke von 20 Kindern bei nahezu 50%. Die pädagogische Ausstattung der Vorschulklasse, eine derjenigen mit dem besten Ruf in HH, der maßgeblich von ihrer ambitionierten Lehrerin aufgebaut wurde, hat sich aber nicht geändert. Nach wie vor eine Kraft, wenn auch eine starke.
Nun kann sich einer eben nicht um beides kümmern, einerseits die vielen fördern und sich auch noch um die anderen kümmern. Überhaupt entsteht so erst ein “die anderen”, etwas, was eben nicht geschehen soll und darf.
Verschlimmert wird das noch durch eine merkwürdige Fehlverteilung und eine, von mir so empfundene, Animosität zwischen Schulen und Kitas in HH. Die Vorschule in der Schule ist nämlich im Gegensatz zur Vorschule in der Kita für förderbedürftige Kinder kostenfrei. Da diese Kinder meist auch auf den Cent schauen müssen, eine einfache Entscheidung wohin.
Dagegen zu protestieren ist Pflicht.
Die Hamburger Kita-Träger sowie SPD und GAL protestieren dagegen, dass Kinder mit sprachlichen Defiziten vor der Einschulung für eine zusätzliche Sprachförderung in der Kita Gebühren zahlen müssen, während diese Sprachförderung in der Vorschule kostenlos ist. “Das ist ein Skandal. Kitas werden gegenüber den Vorschulen erheblich benachteiligt”, sagt Michael Edele, Geschäftsführer der Freien Wohlfahrtspflege. Er fordert ein kostenloses letztes Kita-Jahr für Kinder mit Sprachförderbedarf.
Inzwischen habe ich der Schulbehörde geschrieben und dieses Schreiben cc: an Hamburger Bildungspolitiker gesandt. Meine Stimmen 2008 hängen maßgeblich an deren Einstellung zu dieser Situation, kann man sich ja im Wahlkampf mal ein Bild machen. Aber nicht nur da, denn letzten Endes ist das auch das Szenario, dass zwischen Hort und Ganztagsschule droht.
Absender:
Erik H.
Elternvertreter der Vorschulklasse
Schule R.
Frau Oberschülrätin D.
B11-3 BBS
Hamburger Straße 31
22083 Hamburg
cc: Robert Heinemann CDU, Birgit Ernst (SPD), Marcus Weinberg (CDU)
Dringender Handlungsbedarf in der Vorschulklasse R.
Sehr geehrte Frau D.,
ich schreibe Ihnen als Elternvertreter der Vorschulklasse der Schule R. und als besorgter Vater. Die Struktur der Klasse ist dieses Jahr so unausgewogen, dass die Vorschullehrerin, Frau G., eine in unseren Augen hervorragende und über die Maßen engagierte Kraft, sich vollkommen überfordert sieht. Wir Eltern haben große Sorge und beobachten, dass die Klasse auseinander bricht. Die Vorschüler können nicht adäquat betreut werden und Kinder, die bisher sozial unauffällig waren, beginnen in ihrem Verhalten auffällig zu werden. Eine Entwicklung, die eigentlich entgegengesetzt sein sollte.
Ursache ist einerseits der hohe Anteil an Kindern, die in ihrem sozialen Verhalten stark auffällig sind. Frau G. stimmt mit der Elternschaft überein, dass gut die Hälfte der 20 SchülerInnen einen hohen oder sehr hohen Förderbedarf aufweisen. Frau G. kann diesen Mehrbedarf an Aufmerksamkeit nicht leisten, der Klassenverbund kollabiert, bevor er entstehen kann.
Die Umstände fordern sofortige Handlungen zur Verbesserung der Situation. Die Schulleitung ist informiert und begrüßt die Initiative der Elternschaft, bei Ihnen energisch für eine personelle Verstärkung des pädagogischen Personals zu werben. Die Eltern ihrerseits leisten bereits im Rahmen des Möglichen maximale Hilfestellung. Diese kann aber vom Volumen und Qualität kein Ersatz für eine sofortige adäquate Verstärkung sein.
Der Vollständigkeit halber möchte ich darauf hinweisen, dass diese Entwicklung auch eine politische Dimension hat, der man sich aktuell annehmen muss. Aus diesem Grund geht dieses Schreiben cc: an die oben aufgeführten Personen.
Der politische Wille, Kinder mit erhöhtem Förderbedarf in Vorschulen und Kitas verstärkt zu betreuen wird von uns Eltern umfassend mitgetragen. Die personelle Ausstattung der Vorschulklassen muss diesem Willen allerdings Rechnung tragen. Anderenfalls werden solche Entwicklungen, wie in unserer Vorschulklasse, absehbarer Alltag an Hamburger Schulen. Des Weiteren ist eine stärkere Zusammenarbeit zwischen Kitas und Vorschulen von Nöten und wird von uns Eltern auch politisch eingefordert.
Diese Debatte kommt allerdings für den Jahrgang 2007/2008 der Vorschule R. zu spät. Hier hilft ausschliesslich schnelle, kompetente Hilfe.
Ich bedanke mich für Ihre Antwort und verbleibe,
mit freundlichem Gruß
Erik H.
Tags: Hamburg

Nu ist die Wahl gelaufen und die GRÜNEN schicken sich an, Regierungsverantwortung zu übernehmen. Was bedeutet das für die Ausstattung von Vorschulen, Frau Groetsch?