Warum ich für ein bedingungsloses Grundeinkommen bin

soziale Hängematte bedingungsloses Grundeinkommen»Es würden sich einfach zu viele Profiteure einfinden, die gerne nehmen, aber ansonsten nichts zur Gemeinschaft beitragen.«

… schreibt ein manchmal reaktionärer wirkender Rebell ohne Markt, und ich empfinde das Zitat oben als Kern seiner Argumentation gegen das bedingungslose Grundeinkommen.

Nun ist es eben diese Form der Rechtfertigungshaltung, die mich zu einem Befürworter eines Bürgergeldes macht. Soll der sich erstmal so benehmen, dass ich (oder mein Staat) ihm auch etwas von meinen Steuerabgaben zugestehe, “um dann Leuten, die eh schon die Arschkarte gezogen haben, auch noch den Marsch zu blasen” (vgl. Metalust & Subdiskurse). Aber warum nur so herum? Soll doch der Sportwagenfahrer sich erstmal erklären, wieso er auf den Straßen fährt, die auch von überzeugten Fußgängern mitbezahlt wurden.

Nein, das bedingungslose ist der Kern dieser Idee. Und eine gute, um im ersten Schritt die gewachsene Anspruchs- und Bedingungs-Verwaltung auszumerzen. Ein sich selbst befeuerndes System aus Verwaltung, Lobbyisten und Vorortbewohnern, die sich immer neue Formen des Rechfertigungsdrucks ausdenken, nur um damit Jahrzehnte und Milliarden Euro zu vergeuden.

Transferiert man diese Verwaltungs- und Popanzkosten auf jeden, bedingungslos, kommt am Ende mehr für alle und nicht für Angehörige privilegierter Zirkel herum. Das ist der Kern dieser Idee und sie ist es wert, auch wenn Berliner Großmäuler davon proviantieren.

Foto: p.v. via flickr

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6 comments

  1. “Durch die Auszahlung des Bedingungslosen Grundeinkommens wird das Geflecht aus Bedarfsprüfungsmechanismen aufgelöst und das Sozialsystem entbürokratisiert.
    Durch Entbürokratisierung werden Verwaltungskosten eingespart und der Zugang zu Sozialleistungen für die Menschen vereinfacht.”

    Quelle: “Grüne Jugend Schleswig Holstein”

  2. “Verwaltungskosten allein der 23 Landesversicherungsanstalten und der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) in Höhe von 24 Milliarden DM.”

    17. November 1999, Chefvolkswirt der Dresdner Bank, Klaus Friedrich

  3. Hallo,

    die Idee des Grundeinkommens ist viel zu kurz gedacht, um eine gerechte Alternative zum Kapitalismus zu sein, der ohne Zweifel die Ausbeutung fördert.

    Das Überleben funktioniert nur, wenn gearbeitet wird. Jemand muss Getreide anbauen, Brot backen und Häuser bauen. Und nur die Wenigsten werden ohne Anreize arbeiten. Das gilt insbesondere für die unangenehmen Tätigkeiten. Der Bäcker steht nicht zum Vergnügen um 4 Uhr auf. Der Anreiz, Mitglied in einer solidarischen Gemeinschaft zu sein, genügt nicht. So funktionieren Kibbuze nicht wirklich.

    Der Anreiz zur Arbeit kann darin bestehen, dass man sich etwas notwendiges kaufen muss. Das ist ein indirekter Zwang zur Arbeit, wie man ihn in Ländern ohne Sozialsystem findet.

    Der Anreiz zur Arbeit besteht beim Grundeinkommen darin, dass man sich etwas besonderes kaufen kann. Und das funktioniert leider nicht. Man möge sich in Afrika umsehen, wo eigentlich eine sehr hohe Motivation vorhanden sein sollte, regelmäßig in die Schule zu gehen. In der Realität ist das leider nicht so.

    Gruß
    Andreas

  4. @andreas ich antworte mal mit einem Zitat des Herrn Straubhaar (bei DerWesten):

    Mit dem Bürgergeld, wie ich es mir vorstelle, können Sie allein keine großen Sprünge machen. Fast alle Menschen haben doch die Neigung, sich über das absolut Existenznotwendige hinaus etwas leisten zu können, zu verreisen, sich schöne Dinge zu kaufen. Auch der Drang, sich über eine befriedigende Arbeit zu verwirklichen, wird ja nicht plötzlich geringer werden. Der bereits jetzt festzustellende Boom bei geringfügig bezahlten Beschäftigungen zeigt im übrigen doch deutlich: Die meisten Menschen wollen arbeiten, selbst wenn der Lohn nicht oder kaum höher liegt als das, was sie ohne Arbeit an Unterstützung bekommen könnten.

    Mir kommt es im Wesentlichen auf das Transferieren der Verwaltungskosten an. Diese zusammen mit dem “soziokulturellen Existenzminimum”, so heißt das glaube ich korrekt ergäben dann das Bürgergeld, das ich mir vorstelle.

  5. Hallo,

    > Mir kommt es im Wesentlichen auf das Transferieren der Verwaltungskosten an.

    Dia hieße im Prinzip, dass jeder ohne Prüfung Hartz 4 bekommt, weil das nicht teurer ist als die Hilfe nur denjenigen zu zahlen, die bedürftig sind.

    Der Gedanke an sich erscheint mir nicht schlecht.

    Spielen wir mal mit Zahlen: Wenn man nun die o.g. 24 Mrd DM gleichmäßig auf 80 Mio Einwohner verteilt wären das 150 EUR für jeden – im Jahr. Das ist kein Grundeinkommen, sondern ein Tropfen auf den heißen Stein.

    Abgesehen davon sind die Verwaltungskosten zu einem großen Teil Personalkosten. Man müsste als zahlreiche Angestellte aus der Verwaltung entlassen und würde damit zunächst deren Einkommen erheblich reduzieren. Da diese Leute nun “Verwaltung” gelernt haben, haben sie keine Chance, ihr Grundeinkommen kurzfristig aufzustocken. Sie müssten erstmal etwas anderes lernen und Ausbildung kostet Geld (egal, ob die Ausbildung durch die lernenden oder die Gemeinschaft bezahlt wird). Außerdem müsste irgendein Bedarf geschaffen werden, damit die Ex-Verwaltungsangestellten überhaupt Arbeit finden.

    Und hier kommen wir zu einem weiteren Problem: Ein Grundeinkommen kann nur funktionieren, wenn die Arbeitslosigkeit gering bzw. der Bedarf hoch ist (was dasselbe ist). Gibt es aber einmal eine signifikante Arbeitslosigkeit, so sinken die Löhne und damit der Anreiz zu arbeiten (sofern man nicht arbeiten muss, um seine Miete zu bezahlen).

    Ist aber der Bedarf hoch und die Arbeitslosigkeit gering, funktioniert auch der Kapitalismus nicht schlecht.

    Das neue System hätte denselben Nachteil wie der Kapitalismus: Arbeitslosigkeit wäre Gift für die Gemeinschaft.

    Es wäre mal interessant gewesen, wie sich die wirklich soziale Marktwirtschaft in der DDR entwickelt hätte, wenn die Sowjetunion diese Entwicklung nicht gestoppt hätte.

    Gruß
    Andreas

  6. “Spielen wir mal mit Zahlen: Wenn man nun die o.g. 24 Mrd DM gleichmäßig auf 80 Mio Einwohner verteilt wären das 150 EUR für jeden – im Jahr. Das ist kein Grundeinkommen, sondern ein Tropfen auf den heißen Stein.”

    … diese Zahlen beziehen sich ausschließlich auf die Rentenanstalten! – (und sind auch stark umstritten :). Im Grunde wird aber ein Schuh draus, wenn ich zu den von Dir ermittelten 150 EUR noch weitere Verwaltungskosten umlege, wie die der Arbeitsagentur et al sowie das Existenzminimum von 7.140 hinzurechne.

    Klar, das spart Verwaltung und Verwaltungspersonal – und das ist im Übrigen imho auch der Grund für den großen Widerstand!

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