Posts Tagged: Taxi


23
Jun 08

Doppelbeflaggung

bosch, türkei-schlandIch habe am Sonnabend im Fischers Park gesessen, mit Ömer über die türkische Nationalmannschaft philosophiert und unseren Töchtern beim spielen zugesehen.

Seit dem Sieg über die Spanier bin ich Fan dieser türkischen Equipe, insbesondere des über-symphatischen Hamit Altintop.

Seit klar ist, dass Deutschland gegen die Türkei im Halbfinale spielt, drehen sich die Gespräche in meinem Stadtteil eben darum. Zu spüren ist die Hoffnung, dass sich die verwunderte Freude über das deutsche Sommermärchen und seine womögliche Wiederholung mit dem sich anbahnenden türkischen Märchen verbindet. Zu einer Demonstration des Miteinander. Mein Bauch grummelt, ob der vielen dumpfen deutschen Fans, die ich auch schon kennenlernen durfte. Die Reaktionen meiner deutsch-türkischen Freunde und Nachbarn in Altona machen aber mehr als Hoffnung.

… und die Anzeichen zeigen sich ebenfalls in Berlin, wie ich lese:

Der Blick des Statisten auf die Doppelbeflaggung der Berliner Autos während der EM-Wochen ergibt ein klares Bild. Die deutsch-österreichische Kombination war fast nie zu sehen, deutsch-niederländisch auch nicht. Deutsch-polnisch gelegentlich, deutsch-kroatisch auch. Die absolute Mehrheit jedoch entfällt auf die deutsch-türkische Variante, nicht nur bei Taxis und Döner-Lieferanten.

Es ist ein Wille zum Miteinander spürbar, der sich von der sperrigen politischen Debatte entkoppelt hat. Mag der furchtsame Traditionsdeutsche auch Angst haben vor entfesselten Deutschtürken, die die Stadt niederbrennen, so bewiesen die feiererprobten Mitbürger bislang höchste Autokorso-Disziplin. Ein Zweitligaspiel in Leipzig fordert die deutsche Polizei allemal mehr als ein türkischer Viertelfinalsieg. Viele Einwanderer stehen dem europäischen Wertekanon deutlich näher als die deutsche Glatze.

Bleibt nur der Wunsch, dass in dem unwahrscheinlichen Fall der Niederlage die BILD titelt: “WIR SIND TÜRKEI” … ansonsten

lasst uns am Mittwoch alle gemeinsam ein spannendes Spiel sehen! Lasst uns zusammen ein schönes Fussballfest feiern!

update: Frei nach dem Motto: die d****sten Bauern und die dicksten Kartoffeln finde ich gerade beim EM-Verweigerer das Motiv zu diesem Artikel ;)


11
Jan 07

Klischee

Spontan gelacht:
Eben in den Kommentaren zu diesem Beitrag entdeckt, in dem Kiki beschreibt, dass sie sich auf dem Weg zur Arbeit im Bus gerne Eliteuniversitätsvorlesungen per Podcast anhören möchte. Ihr erstes Thema: Existenzialism in Literature & Film.

Existenzialismus in Literatur und Film? Fahr doch mit dem Taxi statt dem Bus und frag den Fahrer, der hat sicherlich darüber promoviert.

Großes Kino Arthur.

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23
Aug 06

2-Komponenten Sprengstoff

156939358_98e6b04953_m.jpgWohin man kommt in diesen Tagen, überall nur das eine Thema: Die mißglückten Sprengstoff-Attentate und der Libanon.

Für Beirut gut, endlich ernsthaft wieder diskutiert zu werden. Hoffentlich bewegt sich da langfristig etwas mit bei den Strippenziehern in Syrien, denen nebenbei schon die Muffen gehen, ob des UNO-Mandates an ihrer Grenze. Wohl zu recht.

Ich habe das Thema in den letzten Tagen in der Bahn, zuhause in der Familie und jetzt wieder im Taxi, mit dem Fahrer diskutiert und immer wieder kommt man zu dem Punkt an dem man sich fragt, wie ein Mensch der hier lebt zu einem Attentäter werden kann. Hierzu ein eigenwilig schöner Text von Jochen Bittner bei das ZEIT:

Angenommen also, Yusuf E. hegte bei seiner Einreise nach Deutschland noch keine Terrorpläne. Ist es dann denkbar, dass der Geist eines solches jungen Mannes ganz ähnlich funktioniert wie der Zwei-Komponenten-Sprengstoff, den er und sein Mittäter mutmaßlich in die Gasflaschen stopften? Der radikale Grundstoff (die salafistische Erziehung im Heimatland) wäre für sich noch nicht gefährlich. Aber wehe, er kommt mit den falschen Elementen in Berührung (die Freizügigkeit, die Mohammed-Karikaturen, die Israelverbundenheit des Westens) – dann kann er explosiv werden.

Das, wie gesagt, wäre noch die harmloseste Lesart der gescheiterten Bahnattentate. Eine terroristische Amoktat zweier zu kurz gekommener, kulturgeschockter Retro-Moralisten, die es dem Westen einmal so richtig zeigen wollten.

Foto: flickr