Posts Tagged: Interesse


20
May 08

Freie Meinungsäußerung als Fan nur noch anonym?

Wenn es nach den Fußballverbänden und ihren Verwertern geht, dann ist jedwede Übertragung aus Stadien, vor, während oder nach dem Spiel lizenzpflichtig. Das gilt für eine EM genauso, wie für die Bundesligen und Hartplätze in Würtemberg.

Diese Ansicht ist mächtig, vor allem mit mächtig Aggression und langem Atem ausgerüstet, wenn es um die Durchsetzung der Interessen geht. Einem Fan scheint es da unmöglich sein Grundrecht auf freie Meinungsäußerung auch aus Stadien zu verteidigen. Das kann schlicht Existenz gefährdend sein.

Nun kann man nur denjenigen abmahnen, den man auch ermitteln kann (Blogimpressum) und der in dem eigenen Rechtsraum agiert. So gesehen ist es letztlich konsequente Folge dieser rigiden Einstellung, dass Projekte, wie der Euroticker von Lanu vollkommen anonym über diverse us-amerikanische Dienste, wie Mogulus oder Twitter, betrieben werden.

Verhindern kann die DFL also mannigfaltige digitale Fan-Äußerungen gar nicht. Sie zu erlauben, zumal sie das eigene Produkt eher stärken, als schwächen, ist das Gebot der Stunde, will man nicht dem Weg der Musikindustrie nachfolgen.


29
Mar 07

“Wie Du das machst ist mir egal”

Da wird Zentral-Vorstand Feldmeyer bei Siemens verhaftet und in Untersuchungshaft gesteckt unter dem Vorwurf der “Untreue“. Er soll eine Mitarbeitervertretung der anderen ggü “bevorzugt” – unelegant ausgedrückt – geschmiert haben.

Aber hat er sich damit “untreu” ggü Siemens verhalten?

Jenseits der juristischen Aufarbeitung dieser Frage, liegt der Kern des Unverständnisses in der Defintion dessen, was für Topmanager eigentlich “das Unternehmen” ausmacht. In den Etagen mit dem vielen Leder und dem dezenten Designerchrom herrscht nämlich die einhellige Ansicht, dass der “Shareholder” gleichbedeutend mit “dem Unternehmen” ist. In manchen Managerseelen sind auch die Shareholder nur störendes Beiwerk, das ist aber eine andere Geschichte.

Mit seiner “Ruhigstellung” der Mitarbeitervertretung hat er sicher, wohl kann ich mir vorstellen, dass Feldmeyer das auch so sieht, “treu” gegenüber den Shareholdern gehandelt, die in der Regel ihre Interessen diametral gespiegelt sehen durch ihre Mitarbeitervertreter. Was dann auch das eigentliche Problem berührt: Wer sind die Teile eines Unternehmens ggü denen man sich als Manager “treu” verhalten soll?
Besserung ist erst in Sicht, wenn endlich die Shareholder-Value-Sicht in eine Stakeholder-Value-Sicht wandelt. Und dies, da machen wir uns nix vor, geht nur, wenn möglichst viele Stakeholder – also Anspruchsgruppen ggü dem Konzern – auch Shareholder werden. Mitbestimmung über Anteile ist das eigentliche Thema. Dann kann man auch gesellschaftlich wieder über Treue und ihr Gegenteil reden.

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20
Mar 07

Wenn die alte Tante SPD irrt …

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… dann biegen sich die politischen Balken. Immernoch.
Und gleichzeitig dreht sich ein großer Teil der alten Ostpolitiker im Grab um.

Zwei Meldungen, die verdeutlichen, was ich meine:
- BILD meldet heute, dass die Polen bei den Deutschen am unbeliebtesten sind (bisher nicht online)
- Die SPD hofft – in Form ihres Leitwildebers Kurt Beck -, lt. Neue Züricher Zeitung, dass sich das Wehren gegen den amerikanischen Raketenschild bei den Wählern auszahlt. Eine Konfrontation, wie 2002 zwischen Schröder und Bush wird hier zumindest billigend in Kauf genommen. Die SPD konzentriert sich dabei traditionell auf Russland:

Während Bundeskanzlerin Merkel einer Auseinandersetzung mit den USA wegen der Raketenabwehr aus dem Weg gehen möchte, sucht die SPD die Konfrontation.

Ein fataler Fehler!

Wenn es ein Land in Europa gibt, mit dem es so nötig gewesen wäre, wie beim Vorbild der Deutsch-Französischen-Aussöhnung vorzugehen, dann wäre das Polen gewesen.
Der kalte Krieg hat das verhindert und nun fällt es den beteiligten EU-Nationen merkwürdig schwer, das Miteinander zu organisieren, zu normalisieren.

Deutsche Sicherheitspolitik kann indes nicht ohne die enge Berücksichtigung der polnischen Interessen funktionieren, das sieht Angela Merkel vollkommen richtig. Nur eine enorme kommunikative Anstrengung in Europa kann den Wiederstand gegen diesen eigenartigen Schutzschirm wirksam formieren. Die SPD selbst schreibt hier von “Friedenssicherung durch Interessenausgleich”. Der sieht freilich anders aus, Herr Beck!

Alle reflexartigen und taktischen Alleingänge schütten Spaltsalz in die noch immer offene europäische Wunde.

Übrigens eine gute Gelegenheit, die Aussöhnung mit Polen zu intensivieren und über lange Zeit zu fördern. Immerhin ist Frankreich inzwischen das beliebteste EU-Land der Deutschen.

Foto: SPD.de

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20
Jan 07

SZ: Tonspur gekreuzt

Lustig, bei diesem Interview der SZ mit Sylvester Stallone zum neuen Rocky Film, werden auf Seite zwei die Rollen getauscht. Stallone fragt und SZ antwortet:

SZ: Heute? Ja! Verwirrte Kids – und eine komplett fallengelassene Generation von Alten. Explosiv. Die Familien in Amerika, in der Mittel- und Unterschicht, sie verwahrlosen. Emotional!

Stallone: Ein großes Thema. Ganz Deutschland diskutiert darüber.


SZ:
Da macht ihr ’was richtig. In Amerika diskutieren wir auch darüber. Aber wie? Viele Fundamentalisten. Die haben eigene Interessen, verstehen Sie?

Später stimmts dann wieder, wird aber noch lustiger:

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3
Dec 06

Investivlohn

9944_78c79f7a55_m.jpgAus Sicht von Arbeitnehmern macht das nur Sinn, wenn man die Macht der Beteiligung bündeln kann. Zu politischer Macht. Herr Sommer übernehmen Sie.

Geld ist komprimierte Macht. Das war schon vor Karl Marx ein Allgemeinplatz.
Auch das Thema Mitarbeiterbeteiligung, so lernen wir im heutigen Tagesspiegel, ist eine so neue Idee nicht. In Deutschland fristet das Thema ein Schattendasein als exotische Geldanlage oder als etwas, was man eben so mitnimmt, wenn es das schon mal gibt. Meist in großen Unternehmen pütschert jeder so ein wenig mit Investivkapital herum, wie das so modern nun heißt.

Der Grund, weswegen das ganze so wenig Ernst genommen wird, auch bei denen, für die das seinerzeit einmal gedacht war, ist so einfach, wie banal. Mit den paar Kröten, die der Einzelne in Mitarbeiterprogrammen, wie Aktienoptionen, stecken hat, lässt sich kein Herr Ackermann davon abhalten tausende Kollegen zu feuern. Auf der Hauptversammlung wird man entweder gar nicht wahrgenommen, oder als Störer entlarvt, der die anderen kleinen Pupser und Wichtigtuer vom Buffet abhält. Nee. Da fehlt was Wichtiges.

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17
Aug 06

Steinbrücks panische Polemik

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Die Menschen müssten sich darauf einstellen, “in den nächsten Jahrzehnten mehr Geld für Alter, Gesundheit und Pflege auszugeben”,

… sagte Steinbrück der Zeitschrift “Hörzu”. Der Minister hatte auch gleich einen konkreten Sparvorschlag auf Lager. “Wir müssen im Zweifel auf eine Urlaubsreise verzichten, um für später vorzusorgen”, riet er.

Mit “die Menschen” meint Steinbrück Rentner, Arbeitnehmer, Selbständige und Freiberufler sowie Mittelständler. Wen er nicht meint, sind diejenigen, die von diesem System profitieren, von den Vorgenannten leben!

Die Nassauer in Verwaltung, Verbänden und Parteien, die Beamten und Teile des Öffentlichen Dienstes.
Der Urlaub ist hier nicht nur gesichert und fest eingeplant, er wird aller Voraussicht nach auch im Pensionsalter sehr viel üppiger ausfallen.

Ich erinnere mich bei solchen Sperenzchen immer an eine Talkshow auf dem Dritten vor ein paar Jahren. Roland Berger wurde dort als Experte gefragt, warum es denn keinen Aufschrei im Land gebe, wenn es allen doch so schlecht ginge. “Weil es nur einem Teil der Menschen in Deutschland schlecht geht”, antwortete er. “Dem anderen Teil geht es verhältnismäßig sehr gut”.

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