Hamburg. Es ist aussichtslos, spotten Experten. Es ist selbstmörderisch, argwöhnt die Konkurrenz. Es ist unverschämt, denken die Nutzer. Und doch werden wir es tun: Wir wagen, Werthaltiges im Netz künftig nicht mehr zu verschenken, sondern zu verkaufen.
… so beginnt die Rechfertigung des stv. Chefredakteurs des Hamburger Abendblatts, weshalb nun große Teile des Online-Angebotes ebenfalls nur per Abo, also neudeutsch als paid content angeboten werden sollen. Das Argument Qualitätsjournalismus ist eines, das mich auch nicht überzeugt – und dennoch finde ich den Schritt gut und in Teilen richtig.
Wenn es ein weiter so nicht gibt, die Refinianzierung von Redaktionen und Verleger-Rendite über Werbung online nicht (mehr) funktioniert (wobei man sich man anschauen muss, wer hier die Preise verdirbt ;), dann gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten.
1. Ich muss mein Angebot so wertig machen, dass ich trotzdem zu hohen Preisen Werbung verkaufen kann. Dieses Modell beobachte ich bei Die Zeit online gerade.
Oder ich muss 2. es mit paid content probieren, zumindest für die Teile meines Angebotes, von denen ich annehmen kann, dass sie eigenstehenden Nachrichten- oder Informationswert besitzen.
In beiden Wegen liegt allerdings ein großes Wagnis. Das Versprechen zu halten, entweder gegenüber der Werbewirtschaft oder den zahlenden Kunden, dass der Wert meiner Postille, die Marktführerschaft des HA in Hamburg bspw. sich nicht aus der Vertriebsmacht des Axel Springer Verlages erklärt, sondern in der Qualität der Inhalte und das Verlangen der Leser für sie eine Wand zu erklimmen. Die Bezahlwand kann hier liebgewonnenen Selbstbetrug zerstören oder zu neuer Kraft im Journalismus beitragen. Ich bin sehr gespannt.
Disclosure: Ich bin privat Abonnent des Hamburger Abendblatt, beruflich arbeite ich mit einigen seiner Mitarbeiter gerne und gut zusammen.