Posts Tagged: Gentrifizierung


13
Jan 10

Die Hamburger Immobilienblase: “Wir brauchen bezahlbare Wohnungen, keine neuen Büros.”

Hamburg. Während bezahlbare Wohnungen in Hamburg immer knapper werden, steigt die Zahl der leer stehenden Büros dramatisch an. “Bis Ende 2010 kann die Leerstandsquote auf über zehn Prozent zulegen”, sagte Karen Rautenstrauch vom Maklerunternehmen Jones Lang LaSalle. Zurzeit sind es 8,3 Prozent. Dabei werden immer mehr Bürogebäude errichtet, obwohl es noch gar keine Mieter gibt. Die Investoren spekulieren auf wirtschaftlich bessere Zeiten und hohe Mieterlöse.” – medlet das Hamburger Abendblatt heute (Print|paidcontent|Google)

Diese Hamburger Immobilienblase, die beinahe auch das historische Gängeviertel dahingerrafft hätte ist asozial. Während auf St. Pauli, der Schanze in Altona und anderswo in und um HH die Wohnungen knapp und damit teuer werden, stehen bald 10% dieser toten Glas-Stahl gewordenen Prospekte leer.

Das Recht auf Stadt wird da beinahe zur Bürgerpflicht. Besetzt Büroräume.


30
Nov 09

Partyhaupstadt Hamburg? Seelenloses Stadtmarketing, HSV, Europa und St. Pauli

Fuck Off

Für Stadtmarketing gibt Hamburg eine Menge Geld aus. Für Stadtpflege bleibt da keines, so scheint es.

Geradezu ohnmächtig wütend macht mich das Geseier, mit der die Hamburg Marketing GmbH für das Finale der UEFA Europa League wirbt. Es ist so entlarvend und boshaft unecht, wie hier Klischees und Uninn zusammengemixt werden:
Hamburg (ots) – Am 12. Mai 2010 findet das Finale der UEFA Europa League zum ersten Mal in Hamburg statt. … – mit der legendären Amüsiermeile Reeperbahn die inoffizielle Party- und Fanhauptstadt Nordeuropas.

… Als Event Ambassador (sic!) wird HSV-Legende und Ehrenspielführer der Deutschen Nationalmannschaft Uwe Seeler den Weg zum Finale der begleiten. Austragungsort des Finales ist die Fussball-Arena im Volkspark, Heimstätte des legendären Hamburger Sportvereines (HSV).
Spätestens seit der Fussball WM 2006 gilt Hamburg weltweit als Hotspot für Fussball-Fans. Nur ein paar Minuten vom Stadion entfernt erwartet die Besucher mit der Reeperbahn Europas größte Amüsiermeile. Kaum eine Straße der Welt genießt einen so legendären Ruf wie sie.

Ich lese das immer wieder, in der Hoffnung, ich verlese mich ständig, aber es stimmt wohl – da mengen die PR-Fuzzis HSV und St. Pauli fröhlich sinnlos durcheinander! Merkt doch da draußen eh keiner, kümmert uns auch einen Scheiß – Hauptsache Kult, Kultur und eine Prise Anrüchiges zu den ansonsten seelenlosen Event-Highlights des Stadt-Tourismus: HSV und nun UEFA angestrahlt durch eine sterbendes St. Pauli.

Angesichts der Debatte über die Gentrifizierung der Stadtteile St. Pauli, Altona oder das Gängeviertel ja geradezu obzön diese Denke.
FUCK OFF!


28
Nov 09

Astra und St. Pauli das war einmal …

Astra Brauerei St. Pauli - tote Hülle»Findet ihr Astra eigentlich wirklich lecker oder gehört es einfach dazu?«, fragt mich Sebastian als abschließende Frage zu unserem Vorspiel-Interview FC St. Pauli – Union Berlin.

Nein und Nein, wäre die kurze Antwort.

Die etwas längere: Spätestens seit dem Wegzug der Brauerei aus St. Pauli ist Astra nichts weiter als eine Biermarke. Durch nichts mehr, als den Vermarktungsvertrag mit dem magischen FC verbunden. Käme morgen ein Flensbuger Pilsener, ich würde jubeln. Astra schmeckt mir nämlich noch nicht einmal. Ich halte Astra für Fusel. Irgendwo in der persönlichen Rangliste knapp vor Aldis Hansa-Pils, wenn das noch jemand kennt – aber hinter Karlsquell. ;(

Eigentlich ist dieser dumme Hype um das Bier auch ein Warnsignal. Wenn ich in München oder Berlin in Kneipen bin, die dem Lebensgefühl des FC St. Pauli nahestehen, sehe ich viele Astra-Trinker. Das ist das einerseits entferntes Dabeisein, gut, aber auch eine Virtualität und Fetisch-sauferei, die mit meinem St. Pauli nicht mehr viel zu tun hat. Genausowenig wie die Carlsberg-Marke Astra mit dem Stadtteil. Im Gegenteil, Astra ist für mich Symbol der Gentrifizierung St. Paulis Continue reading →


8
Oct 09

Liebes Hamburg-Marketing, wir weigern uns!

Szene-Viertel Blankenese

“Eine Stadt ist ein Gemeinwesen. Wir stellen die soziale Frage, die in den Städten heute auch ein Frage von Territorialkämpfen ist. Es geht darum, Orte zu erobern und zu verteidigen, die das Leben in dieser Stadt auch für die lebenswert machen, die nicht zur Zielgruppe der „Wachsenden Stadt“ gehören. Wir nehmen uns das Recht auf Stadt – mit all den Bewohnerinnen und Bewohnern Hamburgs, die sich weigern, Standortfaktor zu sein. Wir solidarisieren uns mit den Besetzern des Gängeviertels, mit der Frappant-Initiative gegen Ikea in Altona, mit dem Centro Sociale und der Roten Flora, mit den Initiativen gegen die Zerstörung der Grünstreifen am Isebek-Kanal und entlang der geplanten Moorburg-Trasse in Altona, mit No-BNQ in St. Pauli, mit dem Aktionsnetzwerk gegen Gentrifizierung und mit den vielen anderen Initiativen von Wilhelmsburg bis St. Georg, die sich Stadt der Investoren entgegenstellen.”

So endet ein langer offener Brief des Künstlers Ted Gaier an die Heinis im Hamburger Senat und angeschlossene Marketing-Butzen, die seit Jahren Slogans statt Politik verkaufen.

Ich schwärme ja immer wieder von der fragilen Balance, die Hamburger Wohnungspolitik in den 80ern in meiner Straße einrichtete (ich schreibe das mal der SPD zu, ohne das genau zu wissen). Drei Jugendstil-Bürgerhäuser, von links nach rechts von Beischlaf-verwöhnten Schauspielern als Eigentum bewohnt, von mir und meinen Nachbarn als normale Mietwohnung und nebenan Mietpreis-gebundene Sozialwohnungen. Ein toller Mix, von außen nicht zu unterscheiden, wenn der eine seiner Sucht fröhnend, zehnmal am Tag zum Automaten rennt und der andere mit Bierpulle aufm Balkon der seinen nachgeht.

Das ist vielleicht traurig und passt in kein Prospekt, aber lebendig ist es und mir gefällts. Und das vermisse ich in der Hafencity völlig, in weiten Teilen der Schanze und der Hamburger Innenstadt schon lange. Das Recht auf Stadt ist eigentlich eine Pflicht, die unserer Vertreter in den Zirkeln, die sie Parteien nennen. Widerstand dagegen ebenso.

Weltkulturerbe

Ted Gaier (* 1964 in Stuttgart) ist ein deutscher Musiker, Regisseur und Darsteller. Er lebt in Hamburg. Ted Gaier ist Gründungsmitglied und bis heute Texter, Bassist, Gitarrist und Keyboarder der Goldenen Zitronen, einer Hamburger Band.


26
Aug 09

Besetzung des Gängeviertels – Gentrifizierung reversibel

Gängeviertel im Schatten von Stahl und Glas

Ich habe eben auf dem Weg zur Arbeit noch ganz kurz bei der PK der Haus-besetzenden Künstler im Gängeviertel vorbeigeschaut. Nach einem dramatischen Beginn liegt der Ball jetzt im Feld des Senats. Continue reading →


14
May 09

Du bist Sankt Pauli

St. Pauli

Das Seemannsviertel Sankt Pauli, das mir mein Großvater beschrieben hat, gibt es schon lange nicht mehr. Die schmuddelige Amüsiermeile, auf der sich Nussnougat-Luden gegenseitig Messer in den Bauch rammten und die meine Jugenderinnerungen an das “TOP10″ und die “St. Pauli Champs” bestimmten, auch nicht.

Auf den ersten Blick kein Grund zum trauern, auf den zweiten verliert dieser Stadtteil seine Seele, geprägt durch die Menschen, die sich in diesem Milieu mit Suff, Herz und Humor über Wasser halten mussten – bis heute. Continue reading →