Posts Tagged: FCSP


17
Mar 10

Freiheit tut weh, auch auf Sankt Paulé

HA: Sie gehen auch mit der Polizei sehr kritisch ins Gericht. Kann man verlangen, von der Polizei pfleglich behandelt zu werden, wenn man sich selbst nicht an Gesetze hält?

Hoh: Für die Polizei war es natürlich nicht einfach, und sicherlich hatten viele junge Beamte auch einfach Angst und haben deshalb noch härter durchgegriffen. Es gab aber auch Polizisten, die nur darauf gewartet haben, dass etwas passiert, damit sie richtig austeilen können. Fakt ist, dass häufig die schwersten Verletzungen durch in Kopfhöhe geschlagene Polizeiknüppel verursacht wurden. In weiten Teilen der Öffentlichkeit besteht auch heute noch die Meinung, dass man bei Fußballkrawallen einfach nur ordentlich dazwischenhauen muss und die Leute eine anständige Tracht Prügel verdienen. Ich bin jedoch der Meinung, dass die Polizei jederzeit die Grundrechte zu wahren hat. Wenn jemand mit Tempo 70 an einer Grundschule vorbeifährt und von der Polizei angehalten wird, wird der ja auch nicht erstmal nach Strich und Faden vermöbelt, weil er das Leben von Kindern gefährdet hat. Damals wie heute trägt das Auftreten der Polizei sehr stark dazu bei, wie sehr angespannte Situationen eskalieren können. Und das ist nicht nur auf Fußball beschränkt, da hat die Polizei nach wie vor großen Nachholbedarf.

Im aktuellen Abendblatt lese ich eine bemerkenswert ausgewogene Serie zum Thema Fußball-Kultur und Gewalt in Stadien (und anderswo). Schon komisch, wie sich das anfühlt, wenn man mit einem Ex-HSV-Hool einer Meinung ist. Eine Entwicklung wie die aktuelle, der sich alle Fußball-Fans derzeit gegenüber sehen, die massive Einschränkung von Freiheitsrechten, zugunsten einer ominösen Sicherheit installiert, schafft merkwürdige Allianzen.

Dabei liegt der Schlüssel in der Wahrhaftigkeit: Freiheit ist ein Risiko, die mobile Freiheit im Auto genauso, wie die im Fußball-Stadion. Zur aktuellen Gewalt-Debatte, die nach Hertha BSC-Berlin auch – quasi auf Vorrat – auch das Hamburger Millerntor vor dem Spiel gegen Hansa Rostock erreicht hat, lese ich zustimmend den Übersteiger, und fundamental-ablehnend (auch ein wenig geschockt) bei Santa-Pauli mit.

Fundamental, weil wir Zeugen einer Entwicklung werden, die Maßnahmen zementiert, die bspw. das Bundesverfassungsgericht gerade gerügt hat. Dagegen zu opponieren ist fast Bürgerpflicht – und hat mit Verharmlosung von Rostocker Gewalt nichts zu tun.

- “Mitgefangen, mitgehangen” – Auswärtsfans als homogene Gruppe in vorbeugende Ausschlusshaft zu nehmen, oder ihre Daten zu erheben ist nichts anderes, als eine unerträgliche Generalverdächtigung, a la Vorratsdatenspeicherung. Immerhin latent verfassungsfeindlich.

- “Fußball ist unpolitisch”natürlich ist Fußball politisch, ein gesellschaftliches Phänomen, an dem die Vereine verantwortlich teilnehmen mit ihren Veranstaltungen und -orten, unseren Fußballstadien. Selbstverständlich trägt bspw. Hansa Rostock ein gerüttelt Maß an Verantwortung für das, was in ihrem Namen geschieht. Genauso, wie die Stadt und das Land Mecklenburg-Vorpommern. Fußballvereine müssen allgemeine Regeln des Anstandes aktiv in der Fanschaft durchwirken – dazu gehört auch, sich gegen Nazis gerade zu machen und konsequent braune Mode im Umfeld zu unterbinden. Nötigenfalls müssen Vereine dazu verpflichtet werden.

- “Polizisten, ihr habt das Gewaltmonopol nur geliehen”. Die Polizei ist nicht zu beneiden, keine Frage. Allerdings mahnt mich die Aussage oben sehr daran, dass Gewalt-Vergehen von Polizisten besonders schwer wiegen – was macht eigentlich die Aufklärung des Überfalls auf das Jolly Roger?

“Das Machtmonopol der Polizei gehört zu den sensibelsten Machtbefugnissen, die wir Bürger in die Hände der Exekutive gelegt haben. Missbrauchen Polizisten diese Macht, und werden, wie in der Nacht der Schanzenkrawalle beim Überfall auf das Jolly Roger zu vermuten ist, selbst zu “Spielern”, dann zerbricht etwas dieser Demokratie wesenhaftes.”

- “Straftaten darf man auch im Stadion verfolgen” – das Singen von U-Bahn-Liedern, als Extremfall exemplarisch genannt, ist nichts anderes, als das spontane Gründen einer verfassunsfeindlichen Vereinigung, Hetze, gegen die Polizei und Vereine heute schon vorgehen können – es aber nicht tun. Es wird höchste Zeit, Fußball-Fankultur dem gesellschaftlichen Konsens der Verhältnismäßigkeit wieder anzupassen. Fanprotesten können sich Spieler übrigens gerne anschließen. Ein Paulianischer Spielboykott im Ostseestadion wäre allemal wirkungsvoller, wenn sich solche Szenen, wie in der Vergangenheit wiederholen sollten, als alle Rufe nach Darth Ahlhaus.


15
Mar 10

Warum Scheiss-Rufe scheiße sind

Ein holländischer Premierminister hat einmal vor einer Weltmeisterschaft etwas wichtiges gesagt, das mir im Gedächtnis geblieben ist, obwohl ich gar nicht Addressat seiner Worte war. Sinngemäß warnte er seine niederländischen Landsleute davor, ihre Identität überwiegend aus der Rivalität gegen Deutschland zu ziehen. Ein Selbstbewußtsein, das sich aus dem Abgrenzen gegen andere speist, ist keines.

Das ist mir zur Charaktereigenschaft geworden. Und war bisher in meiner Wahrnehmung auch eine Eigenschaft dieser magischen Vereinigung, die sich lose da jedes zweite Wochenende am Millerntor trifft. Gegen andere, waren nur Engstirnige und Armgläubige – Rostocker beispielsweise, denen man ihre Unkultur ja schon an dem “Scheiß-St. Pauli” erkennt, das viele Minuten ihres so genannten Supports ausmachen.

Gestern habe ich es wieder gehört. Ein Scheiß-RWO, das mir nun als Tradition verkauft wird. Meinetwegen. An eine Scheiß-Bielefeld-Tradition will ich mich aber nicht gewöhnen. Da lief glücklicherweise ein “We love St. Pauli” aus der Gegengerade dagegen – und zeigte den Unterschied auf, zwischen Abgrenzen und Ausstrahlung.


14
Mar 10

Heimsieg ist, wenn man mehr schießt als RWO

“Das ist wieder mein St. Pauli. Scheißwetter, gute Stimmung, und gewonnen”, Fabian Boll ggü fcstpauli.tv – erster Spieltag der Kurzrunde. 3 Punkte und fünf Mal Song2! Wahnsinn.


12
Mar 10

Stanislawski gegen RWO: “Auch mal nur dazwischen knüppeln”

“Wir sind verschrien als beste fußballerische Mannschaft der Liga. Wir werden beweisen, dass wir es auch anders können”
… Holger Stanislawski im Pressegespräch zum Thema “mal reinhauen” und Aggressivität im Spiel gegen RWO am Sonntag.

Fazit: “Es wird für keine Mannschaft angenehm sein, gegen uns zu spielen”.


7
Mar 10

1860 – 150 mal verloren magischer FC?

Warum fahre ich auswärts mit dem magischen FC? Bin ich Masochist? Kann ich was bewirken?

Ja, das geht. Nirgendwo ist der Unterschied zwischen dem heimischen Millerntor und der Fremde spürbarer als in München. 1860 Freunde, die sich freuen, Dich zu sehen und 500 Ultras, die ihr eigenes Süppchen kochen, “Scheiß St. Pauli” rufen und dumme “St. Pauli-FC Bayern”-Rufe ernten. Nee, deswegen bin ich nicht hier. Sondern wegen der Magie, die auch wirkt, wenn sie fehlt, lieber Andre Trulsen. Das durften wir nicht gewinnen heute, weil wir Angst vor den eigenen Chancen hatten – soviel zum Spiel.

Aber den Sieg gegen RWO am Millerntor nächstes Wochenende, den habe ich ein wenig mit erlitten heute, mir verdient, indem ich Werner seine Magie abgeschnackt habe. Werner ist übrigens Deutscher Pokalsieger von 1957 – und wird in der Arena rumgeschubst von jungen Hostessen, wie wir alle. Er hat sie mir vermacht, seine Magie, siehst Du Fußballgott, das wirkt, auch wenn Du mir auf meine aufmunternden Worte mit Presse-Texten antwortest (“zu diesem Zeitpunkt haben alle ersten fünf noch Chancen …” mein Popo!). Macht nix, dass Ebbers nur einen versenkt. Hauptsache wir können gegen RWO auch ohne Bruns und Takyi, die haben sich meine Magie heute nicht verdient. Du lieber Naki wundere Dich nicht, dass Dir wildfremde nachwinken. Das war ok.

Allez Braun-weiß, so renne ich durch diesen Sonntag. Für mich, rastlos und ausser Haus.


2
Mar 10

Kopf hoch Trulla

Heute am Morgen scheint die Sonne über dem magischen Stadtteil. Wir haben uns verziehen. Den Erfolg und den der anderen. Wir lieben unsere Jungs in Braun, weil sie wieder verwundbar geworden sind, tragische Helden – mit jeder Menge Lust auf die Revanche bei 1860 München.