Mein Freund Peter kann Nuancen von Grün und Rot nicht unterscheiden. Immer wenn wir zusammen segeln, dann bin ich dran, die vermeintliche Farbe der Tonnen da hinten zu identifizieren. Für ihn sind die Farben zu ähnlich, als dass er einen signifikanten Unterschied erkennen könnte. Zumindest aus weiter Ferne.
Es ist interessant, dass die Mehrheit der Menschen diese Nuancen unterscheiden kann – und deswegen die Interpretation von Peter als Schwäche ausgelegt wird. Lustig nicht? Wenn man bedenkt, dass Farben im menschlichen Bewusstsein enstehen (so mein gefährliches Halbwissen, bitte um Korrektur ggf.), dann ist das, was wir als Blau oder Rosa definieren ja nichts weiter als der jämmerliche Versuch milliardenfache Wahrnehmung in einen allgemeinen Bedeutungsraum zu strukturieren. De facto gibt es sowas wie Petrol nicht. Nur eine gemeinsame Übereinkunft, welche Wahrnehmung man selbst in Abstimmung mit seiner Umwelt als Petrol bezeichnet. Abstimmen tut darüber die Mehrheit.
Gute Wissenschaftler wissen das natürlich, dass sie sich in der undeutlichen Deutung von Modellen befinden, die auf Bildern beruhen, die Menschen miteinander ausgehandelt haben. Wir kommen da nicht raus, so sehr wir uns auch strecken.
Das mag bei rot-grün-Schwäche noch putzig sein, spätestens bei dem Vergleich von Sexualität wirds kriminell, was da die Tage über die Ticker geht.
In diesem Sinne bin ich wohl schwul, genauer eine Lesbe gefangen im Körper eines Mannes, denn meine Umwelt bestätigt mir alle Nase lang deutlich weibliche Denkmuster. Auch während der 90 Minuten am Millerntor lässt sich trefflich drüber philosophieren, ob nicht alle Männer schwul sind. Ist es dann bei Jogi Löw so verwunderlich, wenn es denn so wäre? Fußball ein Mädchensport? Wenn es nach meinen Töchtern ginge bestimmt.
Wichtige Diskussionen und Beiträge dazu bei shifting reality:
Aber gehts nicht um Akkumulation?
Die Parties von früher
Begehren, historisch: Subjektivierungsweisen und ethische Substanz



