Posts Tagged: Diskussion


24
Jun 08

Frauen unter sich

Frauen unter sich

Mein Freund Peter kann Nuancen von Grün und Rot nicht unterscheiden. Immer wenn wir zusammen segeln, dann bin ich dran, die vermeintliche Farbe der Tonnen da hinten zu identifizieren. Für ihn sind die Farben zu ähnlich, als dass er einen signifikanten Unterschied erkennen könnte. Zumindest aus weiter Ferne.

Es ist interessant, dass die Mehrheit der Menschen diese Nuancen unterscheiden kann – und deswegen die Interpretation von Peter als Schwäche ausgelegt wird. Lustig nicht? Wenn man bedenkt, dass Farben im menschlichen Bewusstsein enstehen (so mein gefährliches Halbwissen, bitte um Korrektur ggf.), dann ist das, was wir als Blau oder Rosa definieren ja nichts weiter als der jämmerliche Versuch milliardenfache Wahrnehmung in einen allgemeinen Bedeutungsraum zu strukturieren. De facto gibt es sowas wie Petrol nicht. Nur eine gemeinsame Übereinkunft, welche Wahrnehmung man selbst in Abstimmung mit seiner Umwelt als Petrol bezeichnet. Abstimmen tut darüber die Mehrheit.

Gute Wissenschaftler wissen das natürlich, dass sie sich in der undeutlichen Deutung von Modellen befinden, die auf Bildern beruhen, die Menschen miteinander ausgehandelt haben. Wir kommen da nicht raus, so sehr wir uns auch strecken.

Das mag bei rot-grün-Schwäche noch putzig sein, spätestens bei dem Vergleich von Sexualität wirds kriminell, was da die Tage über die Ticker geht.

In diesem Sinne bin ich wohl schwul, genauer eine Lesbe gefangen im Körper eines Mannes, denn meine Umwelt bestätigt mir alle Nase lang deutlich weibliche Denkmuster. Auch während der 90 Minuten am Millerntor lässt sich trefflich drüber philosophieren, ob nicht alle Männer schwul sind. Ist es dann bei Jogi Löw so verwunderlich, wenn es denn so wäre? Fußball ein Mädchensport? Wenn es nach meinen Töchtern ginge bestimmt.

Wichtige Diskussionen und Beiträge dazu bei shifting reality:
Aber gehts nicht um Akkumulation?
Die Parties von früher
Begehren, historisch: Subjektivierungsweisen und ethische Substanz


19
May 08

Streamingarmut bei der ARD Mediathek

Bild 2Nein, ich möchte mich nicht anschliessen an die Diskussion über die ARD und bspw. ihre Berichterstattung in eigener Sache.

Auch ist es mir völlig Wumpe, ob die öffentlich rechtlichen Anstalten ihre Webvideos an Verlage weiterreichen, elektronisch pressen oder via StudiVZ verbreiten.

Solange die Qualität der Übertragungen in der ARD Mediathek so arm und technisch schlecht sind, in Bild und Ton wohlgemerkt, dass man selbst in Briefmarkengröße vor Artefakten nichts erkennt (siehe Screenshot) und die Moderation sich nach gutem altem Dosentelefon anhört, solange muss sich die private Konkurrenz überhaupt keine Sorgen machen. Kann in aller Seelenruhe weiter phantasieren.

Es sei denn sie heisst T-Home.

Screenshot: ARD


7
May 08

Hashtag #fcsp – Sankt-Pauli-Liveticker von allen für alle

hashtag #fcsp

Das Web 2.0 strotzt nur so vor amerikanischen Fachbegriffen. Einer neuesten ist der so genannte hashtag, bestehend aus dem englischen Wort für Raute (ausgerechnet ;) und Tag, also Schlagwort. Beim Microblogging-Dienst Twitter ist der Einsatz dieser tags eher eine Krücke, um das Manko auszugleichen, dass Twitter keine Tweets, kurze online Statusmeldungen per Handy oder Web versandt, anständig gruppieren kann. (mehr dazu bei #RobertBasic)

Wenn nun mehrere Fans (bspw. die des FC St. Pauli) aus dem Millerntor twittern, also kurze Statusmeldungen zum Spiel abgeben, wie Jeky, Markus und ich das schon mal geprobt haben, dann entsteht ein bunter, parteiischer und nahezu ununterbrochener Liveticker. Wenn die gegnerischen Fans twittern, eben auch die andere, die Gäste-Sicht auf das Spiel.

In der aktuellen Diskussion, wem denn der Fußball gehört, der DFL oder den Fans, eine machtvolle Demonstration und ein wichtiges mediengesellschaftliches Experiment. Forza Sankt Pauli #fcsp L:Millerntor


6
May 08

Soziales Schmiermittel social web

Gesellschaftliche Veränderungen benötigen Schmiermittel, um die enormen Reibungskräfte, die Anpassungen an das Neue verursachen, abzufedern.

Mel Blake hat für das 19. Jahrhundert, die Geburtszeit der Industriegesellschaft, den Gin ausgemacht. Für die USA sicher richtig. In Hamburg wäre das dann wohl Lütt&Lütt, ein Gedeck aus Bier und Korn, wahlweise Aquavit, das die seelischen Druckstellen labte und den gestressten Körper weiter auf Linie hielt. Vor und nach der Schicht bei Blohm & Voss.

Im 20ten Jahrhundert wäre demnach das Fernsehen die Droge der Nationen gewesen, wovon eine unvorstellbare Menge von 200 Milliarden Stunden jährlich in den USA konsumiert wird.

In Zeiten von sozialen Medien konzentriere sich diese Zeit, diese Energie, in Konversationen im Internet.
Als Beispiel zieht er die wikipedia-Diskussion über den Status des ehemaligen Planeten Pluto heran. Auch die Diskussion in deutschen Blogs über Urheberrechte und die Frage, wem denn der Fußball gehört, sind Ausdruck dieser neuen Machtfrage.

Wo geht sie hin diese Zeit? Nach Utopia, wo gleichberechtigt gestritten, getwittert und wikis befüllt werden? Oder in Klagen über die Kirschen im digitalen Garten des Nachbarn? Mehr Vielfalt oder die Diktatur des Mainstream? – jedenfalls die Diktatur des Klick.

via


10
Mar 08

Es lebe der Trackback

Hurrah. Sie ist da, die längst überfällige Diskussion über die Diskussion in Blogs.
Nun, werden viele Altblogger anmerken, die Diskussion haben wir schon seit 1999 und für ihren Fall auch zuende diskutiert. Aber Sie irren. Denn erstens haben Blogs in Deutschland, trotz aller Unkenrufe, den Status eines Kaffeekränzchens verlassen und zweitens gibt es immer noch viele Blogs, deren Außenwahrnehmung, maßgeblich durch ihre Trolle bewirkt wird. Gerade bei politischen und persönlichen Diskussionen ist das so.

Spreeblick macht sich darüber so einige Gedanken. “Immer häufiger bekommen wir Mails … Hinweisen/ Korrekturen/ Meinungen direkt zu einem bestimmten Artikel, … . Ausnahmslos begründen die Leser dann ihre Mail anstelle eines Kommentars damit, dass sie „keine Lust haben, sich in den Kommentaren anpöbeln zu lassen“ oder „mit den Spinnern in den Kommentaren nichts zu tun haben wollen“ (das sind Zitate). … Das ist eine traurige Tatsache und vor allem: Schade.”

Ich halte die Regel, einen Kommentar freizuschalten, wenn man den Namen der E-Mailadresse oder den Nickname einem Blog/einer Website zuordnen kann für sinnig, aber fehleranfällig, bis hin zu abmahngefährdend. Und man weiß ja schließlich gerne, für wen man da den Kopp hinhält.

Nicht ganz klar ist mir die Haftung bei Trackbacks, also Rückverweise zu anderen Blogs und Sites, die eigenverantwortlich mitdiskutieren. Anders als Johnny Kommentare habe ich Trackbacks, also vernetzte Diskussionen immer als die wesentlichere Eigenschaft von Blogs empfunden. Kommentare haben ja auch alle Foren, die ich kenne. Das macht sie aber nicht zu Orten an denen Hypertext-Diskussionen, wie diese stattfinden könnten.

“Blogger sind Publizisten”, was imho eine eigene Art der Diskussion ermöglicht.


11
Feb 08

you can’t bring me down

“Jesus! a real blast from the past, Class A song”, kommentiert da einer bei youtube über die suicidal tendencies – und ich blaste tatsächlich zurück.

Brauche das irgendwie auch gerade bei der komischen Diskussion da unten drüben.