Posts Tagged: Depression


12
Nov 09

Todesgeplapper

#1
Jörg Sievers, der Torwarttrainer, schnappte einen stillen Moment lang nach Luft, bevor er sich fasste und antwortete:
“Das wäre reine Spekulation, was ich jetzt sage. Wir spekulieren eh sehr, sehr viel. Deswegen möchte ich auf diese Frage nicht antworten.”
(FAZ)

#2
“Sterben ist in aller Munde. Von einem Tabu kann nicht mehr die Rede sein. Aber muss man nicht gerade deswegen Verdacht schöpfen? Ist die mediale Allgegenwart, ist das öffentliche Geplapper über Sterben und Tod der Ausdruck für eine technisch-planerische Distanzierung vom Unfassbaren?

Seitdem der Eros aus seiner Verborgenheit herausgezerrt und zum allgegenwärtigen Sex wurde, ist seine Faszination geschwunden und droht in konsumistischer Banalität zu verflachen. Romeo und Julia kann es unter Marktbedingungen nicht mehr geben und eben deshalb – so scheint es – ist es auch nicht mehr möglich zu sterben. Wir befinden uns schon längst inmitten einer a-mortalen Gesellschaft, in der abgelebt, aber nicht mehr gestorben wird. Eine sterbefreie Zone. Der Tod des Sokrates, der den Schierlingsbecher trinken muss und sich in einem langen Gespräch von seinen Freunden und Schülern verabschiedet – unmöglich geworden. Die Hinrichtung des Sokrates wäre heute ein detailliert geplanter Ablauf, der für das Gespräch, in dem der Philosoph seine Zuhörer tröstet, keinen Raum mehr ließe.”
(Welt Debatte)

#3
Tod und Sterben in der Moderne – Eine Diskursanalyse der öffentlichen Diskussion um das Lebensende
Diplomarbeit; Abgabe August 2005; 104 Seiten, 635,8 KB ; Note 1,0; Sprache Deutsch
Ludwig-Maximilian-Universität München Deutschland


30
Sep 08

Kein Blut an der Wall Street

Die Verwunderung war groß, hatte man doch erwartet, dass zumindest ein paar kleine Reihenhäuser von amerikanischen Feuerwehrleuten sich in seinem Besitz befinden, als man ihn aufgriff.
Bildlich hatte man sich das vorgestellt, dass Milliarden aus seinen Taschen quellen und tausende grüne und rote Hartplastikhäuschen.

Nichts dergleichen. Tot war er. Zuerst geschäftlich und dann auch körperlich, als der Mob auf dem Capitol Hill unter Fackelschein zu seiner Hinrichtung rief. Und schnell war es gegangen, irgendwie unbefriedigend schnell. Und immer wieder hatten sich die Männer in den Baumfällerhemden gefragt, ob sie da den richtigen aufknüpfen. Richard hatte gelächelt, als sie es taten. “Den ihr sucht, jage ich schon mein ganzes Leben – und er hat einen Namen aber kein Gesicht”, waren seine letzten Worte.
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