Südkurve für alle!


Die Enttäuschung geht und die Wut bleibt.
Anders als bei dem Spiel am Sonntag, da ist es andesherum. Eine fahle Enttäuschung liegt über der Magie, die mich mit Millerntor und Spielern dort verbindet, normalerweise. Unfähig gemeinsam YNWA zu singen, fasert die Gemeinde nach Hause, in die Kneipe oder Dusche. Das Ende einer Täuschung?

Der Täuschung vom Aufstieg und der Täuschung, dass es bei uns am Millerntor etwas anders zugeht, als beim ersten WSV in Ost-Berlin? “Eigentlich ist Enttäuschung ja was Gutes”, hat mir Wolf Biermann mal gesagt, als er über meine Preisvorstellung auf der Altonale enttäuscht war. “Vorher war man getäuscht, oft durch sich selbst. Nun hat das ein Ende. Schmerzhaft aber gut, meist”, nuschelte er noch und lächelte dabei, als er meinen offenen Mund sah.

Fassungslos habe ich die Berichte und Fotos über die Horde wahrgenommen, die sich am Sonnabend nicht nach den Dauerkarten angestellt, sondern sich ihr Kaufrecht erdrängelt haben. Mein Westerwille geschehe – sowas aoziales, da waren wir uns alle einig, hatte man am Millerntor noch nicht erlebt. Das ironisch gemeinte Lied der “asozialen Zecken” hatte sich – von uns Anstehern unbemerkt – reale Bahn gebrochen. Die Organisatoren des Fanladens und USPler einigermaßen überfordert und glaubhaft unvorbereitet, als sie per Megaphon das Ende der Täuschung ausriefen.

Konsequenz: Geschätzt 500 ehrliche Paulianer, teilweise nach sieben Stunden anstehen und weiter Anreise gehen leer aus. Müssen sich auch noch von besoffenen Koklern, die sich dummerweise nicht selbst entzünden bepöbeln lassen. (Ja mein Junge, Du da mit dem nassen Popo, vom wegrutschen in der eigenen Pisse, Dich meine ich. Wenn ich Dich nochmal sehe Freundchen, kannste was erleben!)

Das muss Konsequenzen haben, sagt mir meine dumpfe Wut im Bauch, nach zwei Tagen verdauen. Zwei Vorschläge aus dem St. Pauli-Forum finde ich gute erste Ansätze:

- Stempel beim Ankommen, ggf. farblich in Sektionen eingeteilt
- Hamburger Gitter zur Formatierung der Queue.

Letztlich hat sich der Fanladen mit seiner ebenfalls fahrlässigen Naivität keinen Gefallen getan. Das Projekt der selbstverwaltete Dauerkarten wird nun tlw. zurecht unter Dauerfeuer geraten. Ich wünschte es gibt einen Weg, den ehrlichen Südlern ihre Liebe zu vergelten. Meinen Antrag habe ich auf jeden Fall noch.

Fotos: (c) Stefan Groenveld, mit freundlicher Genehmigung

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12 Comments

  1. Posted March 1, 2010 at 08:36 | Permalink

    «Die Enttäuschung geht und die Wut bleibt.»
    So ist es. Bin immer noch geschockt.

  2. sparschaeler
    Posted March 1, 2010 at 08:41 | Permalink

    ich möchte noch kurz an die möbelgriller erinnern, die mit spiritus rumspritzen und die wartenden und spielende kinder in gefahr gebracht haben. sehr schade, das denen die quittungen nicht abgefackelt sind.

    • Posted March 1, 2010 at 09:00 | Permalink

      Die meine ich ja. ;(

  3. Posted March 1, 2010 at 08:46 | Permalink

    Ich hab meinen Antrag auch noch, liegt da hinten, in der Ecke, direkt unter der Enttäuschung.

  4. sparschaeler
    Posted March 1, 2010 at 09:12 | Permalink

    dann habe ich dich, wie immer, nicht richtig verstanden :-(

  5. Posted March 1, 2010 at 09:15 | Permalink

    Die Variante mit der Ausgabe der Quittungen an die Wartenden hat sich bei uns beim Verkauf der Karten für das Auswärtsspiel bewährt. Wer steht, weiß, dass er was erhält. Dem Rest bleibt die Enttäuschung erspart.

    • Posted March 1, 2010 at 09:18 | Permalink

      Dann schickt mal schnell ein Orga-Team nach St. Pauli – anscheinend kann man von Köpenick noch einiges lernen. :)

  6. Posted March 1, 2010 at 11:25 | Permalink

    Aber es ist ja so, dass wir im Gegensatz zu den Organisatoren wissen mussten, dass es einen Riesenandrang geben würde, der auch nicht mehr beherrschbar sein würde. Und außerdem wäre es unser Job gewesen, im Rahmen der “Selbstregulierung” die Drängler rauszuknüppeln. Blut für Sankt Pauli!

    Das ist jetzt noch die Krönung, dass wir alles hätten wissen müssen, dann wäre alles ganz anders gewesen. Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich brechen möchte.

  7. uta
    Posted March 1, 2010 at 13:22 | Permalink

    Viel mehr möchte ich bei dem Gedanken brechen, dass wieder einmal der Block der “Hände in den Taschen haber” und “Support-Verweigerer” größer geworden ist!
    Wenn ich mich recht entsinne, sollte die Süd nicht als Familienausflug oder günstigster Stehplatz im Satdion gewertet werden, sondern als “Kurve der Ultras”…
    Allerdings kann ich mir bei vielen, die am Samstag mit mir zusammen in der Schlange standen, nicht vorstellen, dass sie überhaupt supporten wollen – was ja an sich kein Verbrechen ist, nur dann bitte in einem anderen Stadionteil!
    Somit bleibt nurnoch zu sagen: In der Saison 2010/2011, der möglicherweise wichtigsten Saison seit 2006, wird die Südtribühne zu einem “Langnese Familienblock” verkommen?!?…

    • Posted March 1, 2010 at 15:22 | Permalink

      Wer kräftige Ellenbogen hat, der kann bestimmt auch laut singen.

      (“Wenn es nur Ultra ist, worum es euch geht, werdet ihr auch nur Ultra bekommen”, Prinzessin Leia)

    • Posted March 1, 2010 at 22:55 | Permalink

      Langnese Familienblock? Das glaube ich nach Ansicht etlicher Neukartenbesitzer eher nicht. Das wird wohl in Richtung Folklore galore gehen. Bierbecher, Feuerzeuge, Bengalos, lustige Hass-Lieder ich bin überzeugt, da geht sogar sehr viel, was nichts mit Familienblock zu tun hat.

  8. pkO
    Posted March 2, 2010 at 00:06 | Permalink

    Yuppieblock..

10 Trackbacks

  1. By lieblnk.de on March 1, 2010 at 12:01

    Wut nach dem Dauerkarten-Debakel: Südkurve für alle! | Buffen Sankt Pauli…

    Die Enttäuschung geht und die Wut bleibt. Anders als bei dem Spiel am Sonntag, da ist es andesherum. Eine fahle Enttäuschung liegt über der Magie, die mich mit Millerntor und Spielern dort verbindet, normalerweise. Unfähig gemeinsam YNWA zu singen, fas…

  2. [...] “Muss man Sponsor beim FC St. Pauli sein, um eine Dauerkarte zu erwerben?” Und auch einen Tag später ist die Wut geblieben. Auf Fabolous Sankt Pauli hört Jekylla den “Schwanengesang vor Saisonende”. Die [...]

  3. [...] der Stromkante zwischen Verein und Fanschaft Wandelnder, hat gestern eine offizielle Erklärung zum Dauerkarten-Debakel (Südkurve) veröffentlicht. Nachfolgend die für mich wichtigste Passage: “Anders als im letzten Jahr [...]

  4. [...] durch offizielle Stellen, oder eine Entschuldigung des Fanladens, zu der kataströsen Orga der Dauerkarten-Vergabe Süd 2010/2011. Das war ein junger Paulianer, ganz in schwarz, der mich vorließ zum Pinkeln, als ich scherzhaft [...]

  5. [...] der Einschätzung der Anzahl Vordrängler folgt USP der Wahrnehmung von Fans – demnach sind 1/4 der Karten erschwindelt und erdrängelt worden! Leider wurden Teile der [...]

  6. [...] dieser Aufstiegssaison wird wohl auch persönlich einmalig bleiben, nachdem wir uns seinerzeit umsonst für Saisonkarten Süd angestellt [...]

  7. [...] ca. 500 Event-Fans gegen 12:00 Uhr mit asozialer Fiesheit im Herzen den Weg bahnten, an den schon seit Stunden anstehenden Paulianern vorbei in Richtung Saison-Dauerkarte [...]

  8. [...] ca. 500 Event-Fans gegen 12:00 Uhr mit asozialer Fiesheit im Herzen den Weg bahnten, an den schon seit Stunden anstehenden Paulianern vorbei in Richtung Saison-Dauerkarte [...]

  9. [...] seinerzeit angekündigt, einen Ausgleich an. Es war ja bereits spekuliert worden, dass nicht alle, die leer ausgegangen sind, nachträglich eine Karte erhalten. Die jetztige Regelung ist quasi eine Kreuzpeilung zwischen [...]

  10. [...] mit Ausrufezeichen. Das wünschen sich bestimmt nur Liebende so endgültig. Die Bleibenden, die Ausgeschlossenen, nicht nur diejenigen, die ihre morschen weinroten Bänke vermissen, die Klassenkämpfer [...]

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