StudiVZ: nachhaltige Treibjagd nach dem Rotzlümmel Dariani

%28studivz%29%20fMinAuthority%20a4.pngSeit Tagen hangelt sich der Suchbegriff „StudiVZ“ in den TOP10 Suchbegriffen bei Technorati nach oben. Während sich in den USA über den Weltfrieden, die Wahlen, Bush und Apple gewundert wird, wundert sich Deutschland über eine Rotznase.

Eine potenziell reiche Rotznase, wenn sich das Gerücht um den Verkauf an das Original bestätigen sollte.

Reflexartig fällt man hierzulande nun über den CEO des me2-Startups her. Immerhin, er hat sich auch einiges zuschulden kommen lassen. Ich zähle bisher fünf Vergehen, moralische natürlich:

1. Ehssan Dariani hat einen schäbigen Humor und verfremdet Nazi-Kampfblätter zu Geburtstagseinladungen. Skandal. Ein Streich, der dem jungen Mann noch Jahre anhängen wird. Inzwischen hat er sich dafür so etwas wie entschuldigt.
2. Ehssan Dariani hat eine merkwürdige Art Mädchen anzubaggern und auch eine merkwürdige Art mit Persönlichkeitsrechten umzugehen. Das ist auch ein Skandal. Wenn der letzte Skandal allerdings klappt, dann ist das auch egal. Dann rennen ihm die Chicks die Bude ein, sowieso.
3. Ehssan Dariani mopst Domains von Mitbewerbern und dokumentiert damit nur seine blutige Anfängerschaft. Sowas von skandalös.
4. Ehssan Dariani, oder seine Helfershelfer löschen Kommentare und korrigieren Wikipedia. Web 2.0 Vergehen erster Kajüte. Natürlich ein Skandal!
5. Ehssan Dariani hat sich des Ausverkaufs des Web 2.0 schuldig gemacht. Spätestens als er mit den Samwers und Konsorten ins Bett stieg, hat er seine digitale Seele den Seelenverkäufern anheim und sich selbst zum Abschuss freigegeben. Freilich, das konnte man damals nicht wissen.

So fragen mich dann auch amerikanische Bekannte, ob wir nicht auch wirkliche Probleme haben, ob wir uns nicht ein wenig schämen, diesen Bauernjungen so zu schlachten?
Andere fragen sich nur: WTF is StudiVZ?

Jetzt kann man das ganze Thema auch ironisch angehen, wie Johnny. Ich frage mich aber:
Warum diskutieren hier so wenige über das eigentliche Thema?

Was haben die Nutzer solcher Plattformen davon, wenn die Gründer und Plattformbetreiber aus-chashen und sie als Pfand gleich mit?
Das ist kein Problem von StudiVZ allein. In den USA ein heißes Thema im Bezug auf YouTube. Die Gimmicks von Qype fallen da eher schon in die Kategorie „nice try“.

Aber, stört das die Mehrheit der Nutzer überhaupt?

Wenn ja, würden viele dieser übernommenen Communities schnell ausbluten, wenn die digitalen Bohémiens, die Wortführer und Kontaktknoten weiter ziehen. Das ist schon oft passiert. Erinnere mich an eine große Datingbörse, die der Kostenlosigkeit ein Ende und damit sich selbst fast abgeschafft hat.
Dann löst sich das Problem quasi von selbst. Nutzer, die gegangen sind, kann man nicht mehr seriös ansprechen und gegen das andere gibt’s Filter und den Staatsanwalt.

Oder man denkt ein wenig nach. Gründet eine Community, die gerne Geld verdienen darf, auch beim Verkauf, aber beteiligt die wichtigsten User.
Herauszufinden, wer das ist und wie man die anderen, das Fußvolk, den Long Tail nicht vergrault, das ist die große Aufgabe der Stunde.
Die wird aber zunehmend unsichtbar, in dem moralinen Nebel, der auf StudiVZ geworfen wird.

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One comment

  1. Inzwischen, da ich mich mal mit dem Thema ein wenig beschäftige, finde ich auch Blogs, die das StudiVz-Thema weiterdenken:
    So fragt sich der Notizblog, ob solche Start-Ups inzwischen noch geführt werden wollen, oder die Gründer im Sinne von serial entrepreneurs, den schnellen Exit und die nächste Aufgabe, womöglich die zur Selbstverwirklichung angetaneren Projekte zu starten.

    http://notes.computernotizen.de/2006/11/16/verderben-die-blogger-das-gruscheln

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