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Amnesie kommt immer plötzlich, tut aber gar nicht weh, was mich ein wenig verwunderte.
Eigentlich fühlte ich mich wie immer, nur dass ich partout nicht mehr wusste, was ich vor dieser grünen Tür wollte. Dass mir augenblicklich auch entfallen war, wer ich bin, fiel mir erst auf, als mein Haustürschlüssel nicht in diese Tür passte.
Die Panik, die mich dabei erfasste, kann ich kaum beschreiben, man glaubt sich ja selbst nicht, lacht los und schüttelt den Kopf. So, als ob sich dadurch alles wieder an den richtigen Ort rütteln würde.
Es war zwecklos, ich konnte mich anstrengen, wie ich wollte. Es kam nicht zurück. Schlimm war, dass mir immer mehr perdu ging, je angestrengter ich nachdachte. Inzwischen fielen mir auch die Namen meiner Eltern nicht ein, mein Geburtsort und alles andere waren auch verschwunden. Ich beschloss nicht weiterzumachen und hörte einfach auf nachzudenken. Das schien mir das beste.
Ich lief stattdessen los.
“Deelböge-Braamkamp zwischen Alsterkrugchausse und Bebelallee ist wegen Brückenarbeiten bis Ende 2013 in beiden Richtungen nur eine Spur frei”
Diese Meldung schoss mir in den Kopf, warum weiss ich nicht. Aber sie war da und wieder musste ich lachen: “In beiden Richtungen nur eine Spur frei”, wirkte für mich in meiner Situation irgendwie passend. Und komisch.
Ich fasste den Entschluss, die Bebelallee aufzusuchen. Wie man in Hamburg mit der U-Bahn fährt wusste ich noch. Fein, darauf liesse sich aufbauen. Die Angst wurde weniger, fast hätte ich gepfiffen, denn nun hatte ich ein Ziel.
Als ich den Braamkamp überquerte, kam es mir vor, als ob ich eine Grenze überschritt. Überhaupt erschienen mir Straßen wie Stromkanten, bedrohlich vor allem die vierspurigen. Langsam war es duster und ich wurde müde. Die Angst kam wieder hoch. Zur Polizei? Warum hatte ich da früher nicht dran gedacht. Aber was sollte die mir helfen, wenn ich selbst so wenig beizusteuern hatte. Es kam mir selbst komisch vor, aber was war, wenn ich ein Geheimagent war, oder auf der Flucht? Vielleicht verrückt.
Gegenüber der Altersheime an der Bebelallee, am nördlichen Lauf der Alster, fiel mir ein kleiner Kleingartenverein auf. Jetzt, Ende Februar wird dort keiner zugangen sein. Vielleicht findet sich ja eine Laube, in der ich ein wenig über meine Situation nachdenken konnte. Ich stieg also über die niedrige Pforte in einen Garten ein, der ein Haus hatte, das mir mit seinem spitzen grünen Dach einigermaßen gemütlich erschien, aber hoffentlich keine allzu aufwendigen Sicherheitsvorkehrungen zu überwinden hatte. Mit ein wenig Gewalt war das Schloss dann auch schnell geknackt.
Innen roch es nach Staub und Torf. In der Ecke stand ein Sofa, das neu bestimmt ansehnlich und teuer gewesen war. Es war aus braunem Leder und hatte massive Holzarmlehnen. Zum Glück lag eine Wolldecke darauf. Als ich mich hinlegte merkte ich erst, wie müde ich war. Vielleicht, dachte ich, genügt eine Mütze voll Schlaf. …


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