Irgendwas dazwischen

Wer über das Jedermannphänomen “social web” und die Rolle der etablierten sozialen Institutionen nachdenkt, dem erscheint früher oder später das Bild eines Grabens vor Augen. Oben und Unten, ich will hier mal diese unzulängliche Verkürzung weiterführen, scheinen nicht aufeinander zu passen. Ob Verlage, Parteien oder Werbung, das Aufeinanderprallen von so systemunterschiedlicher Öffentlichkeitsarbeiten macht die einen ratlos und die anderen wütend, weil die ratlosen ihnen so begegnen, wie sie es gewohnt sind: abgestimmt auf einen breiten Konsens, eine bis zur Gesichtslosigkeit blank polierte Aussage vor sich her schubsend, ohne zu merken, oder merken zu wollen, was sie anrichten damit.

Das soziale Netz diskutiert das bereits ausgiebig, und gerade heute an so herrlich vielen unterschiedlichen Stellen, dass ich ein paar Stränge davon hier zusammenführen möchte. Stränge, die auf den ersten Blick nicht viel miteinander gemein haben und doch das Grundmuster von modular stattfindender, sozialer Auseinandersetzung darstellen.

Das Grundthema ist dasselbe: Das zusammenwachsen von “top-down”-Kommunikation und vernetzter Kommunkation.

Ob an der Blogbar, beim Diskutieren über Parteien im digitalen Wahlkampf oder in Paris, wo Loic LeMeur dieses Jahr vorsichtiger mit Breitstrahl pissenden Politikerkollegen umgeht. In diesem Zusammenhang fiel mir ein Satz von Jason Calacanis auf, der für die weitere Standortbetrachtung aller Seiten interessant werden könnte:

Calacanis, who is here to network his newest business, the human-powered search engine Mahalo, said the Internet’s “crowd-sourcing” phenomenon “has reached its max. We’ve gone from top down to ground up, and we need something in between.
Quelle: IHT

Davon sind wir in Deutschland zwar noch weit entfernt, von der maximalen Erhebung von mitmachenden Bürgern, allerdings gibt die Entwicklung in den USA eine Richtung für Sinn suchende vor. Sich an die Nahtstelle zu begeben, an der “top down”-Kommunikation und twitternde Jedermänner sich begegnen.

Für die Politik und den Wahlkampf in Deutschland kann das befruchtend wirken und ist ein Weckruf an Journalisten, Blogger und Politiker ihre Kommunikationsarten so zu harmonisieren, dass man sich anständig streiten kann.

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