FAZ-Blog: Der absolute Kontrollverlust

Irgendwie haftet Blogs ja immer auch ein wenig fehlender Ernst an, ein putziges privates Publizieren aus einer gemütlichen Stube heraus, aus einem prekären, aber weitgehend im Jetzt genossenen Leben, oft in Berlin, dabei immer satt und unversehrt, fern von echtem Leid.

Kern des Bloggens ist der Selbstbezug, den Eigenwille zum Zentrum der Betrachtung machen, sich wundernd erst, dass auch andere das vermeintlich so sehen. Ja es kommen Leser zur eigenen Sicht hinzu, toll.

Blogger haben alles in der Hand, Medium, Thema und Frequenz. Sind Publizisten nicht Autoren, sind digital Verlegende. Deswegen ist für Verlage bloggen ein komischer Trend. Eigentlich Unsinn.

Nun hat Michael Seemann, besser unter dem Nicknamen “mspro” bekannt, monatelang weitgehend unbemerkt ein Blog für die FAZ online geschrieben. Er hat es Ctrl-Verlust genannt, fleißig sich selbst betrachtet und das auch aufgeschrieben, was Blogger eben so tun. Leser hat es gehabt, mich auch, und immer einen Eigenwillen.

Große Kunst wird das Blog aber erst jetzt, wo die FAZ-Redaktion es vom Netz nimmt. Ein Happening des Kontrollverlustes, künstlerische Wahrhaft und in seiner Konsequenz wirksamer als jedes Textstück.

Kein ich mehr, kein Mspro. Zumindest kein FAZ-Autor mehr unter diesem Namen. Unter Krawall verschwindet ein Missverständnis aus dem Netz, nämlich, dass Blogger nur Autoren sein können.

Die Sicht von mspro liest man wo? In seinem Blog natürlich,

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