Das Seemannsviertel Sankt Pauli, das mir mein Großvater beschrieben hat, gibt es schon lange nicht mehr. Die schmuddelige Amüsiermeile, auf der sich Nussnougat-Luden gegenseitig Messer in den Bauch rammten und die meine Jugenderinnerungen an das “TOP10″ und die “St. Pauli Champs” bestimmten, auch nicht.
Auf den ersten Blick kein Grund zum trauern, auf den zweiten verliert dieser Stadtteil seine Seele, geprägt durch die Menschen, die sich in diesem Milieu mit Suff, Herz und Humor über Wasser halten mussten – bis heute.
Gewehrt haben sie sich so gut es ging. Alle. Ehemalige, bis ans Lebensende saufende Seemänner, albanische Hobbyluden und linke Paulifans. Schon Anfang der 90er galt St. Pauli als Investoren-Paradies, der Gestank auf dem Hans-Albers-Platz nach Scheiße, Urin und billigem Fick hat sie alle geschafft, zumindest aufgehalten. Ottensen hat es da übrigens schneller hingerafft – neudeutsch: gentrifiziert.
Gerade lese ich beim Kiezkicker über eine neue Ini, die das Aufhalten organisieren, Freunde des schnoddrigen St. Pauli beraten soll:
Die „Veredelung“ des Stadtteils hat viele Gesichter: Investoren errichten glänzende Neubauten, die Mieten steigen, einkommens- schwache Bürger müssen umziehen, Miet- werden in Eigentumswohnungen umgewandelt, Event-Kettengastronomien verdrängen alt-eingesessene Läden, Kameras überwachen immer größere Teile des öffentlichen Raums und auf den Straßen ist die Polizei präsenter
als zuvor.Lamentieren bringt nichts – denn die nächsten Tiefschläge sind bereits in Planung. Wir wollen euch mit diesem Heft einige dieser fragwürdigen Projekte vorstellen und zeigen, wie man konstruktiv und gewaltfrei Einfluss nehmen und mitgestalten kann.
Die Zukunft ist sonst wohl eine fein planierter Yuppie-Freeway von Ottensen via Kiez in die Schanze – das deutet sich jedenfalls an.
Tags: Gentrifizierung, Hamburg, Investoren, Juppies, Ottensen, St. Pauli


RT @ring2: "Du bist Sankt Pauli" – eine Anleitung gegen das Gentrifizieren !fcsp http://tinyurl.com/rb7tpd #fcsp #stpauli
Ich bin ja kein Hamburger, aber letzten Monat dienstlich im “neuen” Astra-Turm. Ich fand den Gegensatz schon sehr krass, auf der einen Seite der Davidstrasse das “Businessrestaurant” Cooper Haus, wo die Yuppies sich lecker “live” bekochen lassen, und gegenüber der Kiez-Imbiß und die Spielhölle. Der Gegensatz gab mir schon zu denken.
Auch bei mir im Blog findet sich ein Artikel gegen die Gentrifizierung St. Paulis. Agregieren der einzelnen Stimmen und Texte kann die aktuelle Diskussion nur befeuern und eine Gegenfront gegen die Investoren und Renditemafia bilden.
lonely-people-talk-a-lot.com