So lieber Momo lässt sich das auch erklären, was einen Hamburger Jung dann nach St. Pauli zog:
Das Rock’n’Roll-Image des Fußballzwergs entstand Ende der 80er. Beim Lokalrivalen HSV (sowie in ganz Deutschland) begannen sich, rechtsextreme Fans und mit ihnen rassistische Parolen breit zu machen. Das Volksparkstadion war aus architektonischen Gründen kein geeigneter Platz mehr für den vereinsnahen Anhänger und in der Hafenstraße, sowie im Schanzenviertel wurden von der linken Szene Häuser besetzt. Als Folge des Rechtsrucks suchten sich einige HSV-Fans einen neuen Verein und die Leute aus der Hafenstrasse hatten das Millerntor plötzlich ebenfalls für sich entdeckt. Somit verändert sich das Publikum maßgeblich und neue Schlachtgesänge wie „Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg, nie wieder dritte Liga!“ oder „Wer hat uns verraten? Sozialdemokraten! Wer verrät uns nie? St. Pauli!“ hallten durch das Stadion. Und auch optisch hatten die Ränge ein anderes Gesicht, denn auf einmal regierten Totenkopffahnen und Che-Guevara-T-Shirts statt Bierbauch und Jeanskutte. Nach jedem Spiel gab es eine Demo und der Zuschauerschnitt hatte sich in kürzester Zeit auf 7500 erhöht. Doch das erklärt lange noch nicht, wie es dem FC gelang auch außerhalb St. Paulis bekannt zu werden.
Quelle: jetzt.de
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Nachtrag: Beim HSV gab es diese rechten Tendenzen übrigens schonb sehr viel länger. Ich kann mich an den berüchtigten Block E erinnern, in dem schon Ende der 70er gegnerische Spieler sämtlichst mit “Jude” begrüßt wurden.
Das hat man in HH lange für “Folklore” gehalten. Ende der 80, das stimmt, war das aber nicht mehr wegzuignorieren.
Es ist aber absurd, lieber Erik, nun das, was den FC St. Pauli ausmacht, irgendwie auf eine wohlbegründete Absetzbewegung vom HSV zu reduzieren. Da gibt’s zum einen die Älteren, neben denen Du neulich auch schon gesessen hast, die sitzen da seit den 60er Jahren. Und dann gab’s eben die ganzen “kulturellen Umbrüche” auf dem Kiez in den 80er Jahren, wo dann Hafenstraße, Hamburger Kessel, Widerstand gegen Amüsiertempel auf dem Heiligengeistfeld usw., aber auch die ganze Post-Punk-Musik- und-Kneipen-Szene auf dem Kiez, die da ja gerade erst enstand, ein ganz neues St. Pauli hervorbrachten, und diese Szene und ihr sehr weites Umfeld ging auf einmal in’s Stadion. Da vermischen sich also “alte” und “neue” Stadtteilkultur im Rahmen des Millerntores und im Kampf gegen ja bereits in den 80ern vor Mauerfall sehr stark rechtsorientierten Jugend-Szenen, sozusagen, und all das ist auch ohne den HSV ohne weiteres vorstellbar. Und wirkt bis heute.
Ja Momo. Ich zähle mich ja nicht zu den migrierten HSVlern.
Hatte mich nur gewundert, ehrlich.
… und ist ein weiteres Zeichen für mein Argument, sehr wohl Sympathien ggü diesem Verein mit der Raute entgegen gebracht zu haben, damals in den 70ern — und Paulianer geworden zu sein.
Scheint nicht nur mir so gegangen zu sein ;)