Trotz großangelegter Investitionen und Akqusitionen ist Googles Suchalgorhytmus der Kern des Unternehmens. Fällt diese Bastion ist Google tot, was übrigens auch olle Verleger durchaus mal aus Versehen erkennen können.
Das habe ich einmal Googles Abenddämmerung genannt, und organisatorische Gründe in den Vordergrund gehoben. Nun hat Michael Scobles das Datum für dieses Szenario genannt: in vier Jahren soll es also soweit sein (oder sieben ;). Es bleibt der alte Kampf “Mensch gegen Maschine” der hier beschrieben wird. Ausgerechnet Jason Calcanis’ Mahalo, eine Art “Yahoo! 2.0″, bei dem Menschen die Suchergebnisse filtern, soll es richten:
Essentially Scoble argues that Google is in trouble because they are unable to adapt their algorithms and business model in the face of social search sites such as Mahalo
and even Facebook; Techmeme is thrown in for good measure as well. Scoble argues that the search results from sites such as Mahalo will appeal to more people due to their ability to be socially constructed as opposed to Google’s computer generated results.
Na, da muss aber noch viel social glue den Berg runterrollen, bevor diese Ergebnisse konkurrenzfähig sich zeigen. Ich stehe da auf von Menschenhand formatiertem Code, wie dem von Rivva.
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Naja, das Internet an sich ist ja noch sehr jung.
Ich will nicht großartig etwas heraufbeschwören, aber ich sehe gerade hier den Ansatz sich in Zukunft immer wieder abwechselnder Zyklen vom konkreten emotionslosen und wertneutralen Filtern hin zum emotionalen sozialen und stimmungsabhängigen Filtern … und irgendwann wieder zurück.
Wobei letzteres aus meiner Sicht weitaus labilere, kurzlebigere und auch polarisierendere Ergebnisse mit sich bringen wird. “Social filtering” wird weitaus mehr Spielraum für “crowding, herding and bashing” bieten und damit einen guten Teil der eigentlich im Netz verfügbaren Informationen an den Rand drängen, solange diese nicht (wodurch auch immer) im aktuellen gesellschaftlichen Fokus liegen. Mainstream und nicht zuletzt geschicktes Ausnutzen der Effekte bei gezieltem Marketing könnten dafür sorgen, dass die ehernen und bewährten Grundzüge, wie wir sie heute in Form weitgehender Inhalte-Neutralität der Suchmaschinen wie Google kennen, für eine Weile an Bedeutung verlieren …. bis sie eine Renaissance erleben, weil sich ein zunehmender Teil der Netznutzer gegen die Bevormundung und Einflussnahme derer wehrt, die den “Mob” beeinflussen.
“Social filtering” ergibt durch den wesentlich höheren Übersetzungsfaktor eine sehr viel größere Diskrepanz zwischen relevanten und weniger relevanten Daten, so dass denjenigen der Untergang oder das Vergessen droht, die nicht in großem Maßstab auf all die Tasten drücken können, um hinreichend wahrgenommen zu werden. Ob die daraus vermutlich resultierende, noch weiter als heute gehende Machtverschiebung zugunsten der jeweiligen Branchengrößen am Ende wirklich so gut ist, wage ich jedenfalls sehr zu bezweifeln.
Findet man irgendwann wirklich nur noch das, was andere auch gut finden oder findet man nach wie vor auch das, was es abseits dessen sonst noch gibt?
Sind die Ranking-Verfahren der Suchmaschinen nicht heute bereits schon an der Grenze der Manipulierbarkeit unterwegs und sind Menschen etwa weniger manipulierbar als Suchalgorithmen?
Nein, ich bin weiß Gott nicht konservativ. Aber wenn ich sehe, welche Macht bereits heute Suchmaschinen und ihren Ergebnissen zukommt, die bisher noch relativ(!) diskriminierungsfrei und nur maßvoll (im Gegensatz zu dem, was kommen könnte) von wirtschaftlichen und politischen Größen beeinflusst doch ein recht neutrales Licht in die gesamten unendlichen Weiten des Netzes bringen, dann mag ich mir wirklich nicht vorstellen, was kommt, wenn die Interessen der Menschen von heute oder morgen (im Durchschnitt betrachtet) als maßgeblicher oder gar alleiniger Beurteilungsmaßstab genutzt würden.
Menschen, die ohnehin ständig getrieben und aufgerieben werden zwischen dem, was sie glauben, unbedingt haben, wissen und sehen zu müssen und dem, was andere ihnen einzureden versuchen und wiederum dem, was sie wirklich übehaupt davon in ihrem Leben finden, erreichen bzw. umsetzen können.
Menschen, die zunehmend unselbständig in ihren Entscheidungen oft blind irgendwelchen Botschaften hinterher rennend und zum Großteil in Industriestaaten der westlichen Welt sitzend zunehmend in Watte gepackt alles konsumieren, was ihnen vorgesetzt wird oder die in aufstrebenden Ländern des Fernen Ostens wie gebannt alles Neue gierig aufsaugen und erst einmal ausprobieren.
Menschen, von denen ich allgemein ganz sicher kein schlechtes Bild habe, im Gegenteil. Von denen ich aber denke, dass sie gar nicht mehr anders können, weil sie nicht mehr über die Denkweisen und das Gefühl von Eigenverantwortung und kritischem Nachfragen verfügen, wie sie vor der Zeit des Internet-Booms noch gefragt waren und die erstaunlicherweise gerade seit dem Internet-Boom imho wichtiger sind denn je.
Ja, ich denke, es wird auch wieder eine Zeit der Rückbesinnung der tönenden Horden auf das Ursprüngliche folgen. Es wird irgendwann danach wieder eine Zeit geben, in der von Suchmaschinen wieder eine Neutralität, Manipulationssicherheit und inhaltliche Unbeeinflussbarkeit abverlangt wird, wie sie heute existiert (oder sogar darüber hinaus).
Dennoch stehen die Zeichen vorläufig offensichtlich erst einmal “auf Sturm im Wasserglas” und es wird sich zeigen, ob “die Tore ins Netz” von heute wirklich zwischen Web2.0, dem semantischen Web und weiteren kommenden Dingen “in trouble” geraten oder doch nicht.
Möglicherweise wird es sogar “parallele Welten” geben.
Die einen Anbieter für die gemäßigten, erfahreneren und sachlichen, zum Wissen orientierten Nutzer und die anderen Anbieter für all die, die sich auch auf Tupperparties alles aufschwätzen lassen und gerne wie die Teenies vor ihren Idolen an der Bühne kreischend nach allem schnappen, was von oben herunterfällt.
Vielleicht macht aber auch mal irgendwann demnächst, wenn die wesentlichen konstruktiven Anfänge passiert sind (und bevor es zu teuer wird), Google die große Klappe auf, atmet mal tief ein und schluckt den einen oder anderen der “Socializer”, um auch das zukünftig unter dem eigenen Dach ohne große Grundlagenforschung anzubieten.
Wer weiß?!
@noplease:
Ich denke Deine Überlegungen gehen in eine ähnliche Richtung, wie meine. Allerdings glaube ich nicht an den sozialen Mainstream als alles erstickende Meinungsmasse. Vielmehr funktionieren im social web die gleichen Mikromilieus (bin kein Soziologe, habe mir die Begriffe hier zusammengedacht), wie es sie eben auch im realen Leben gibt. Wobei ich immer auch Fußballer, St.Paulifan, Autor, Ottenser und so weiter bin. Die Übersetzung funktioniert im Web nur besser, als in den herkömmlichen Medien. So viel besser, dass es eine Gefahr für sie darstellt.
Übrigens, vergleicht man den Pagerank eines A-blogs mit einem neuen kleinen Privatblog, dann ist auch heute schon von “relativer Diskriminierungsfreiheit” keine Rede. Die ersten 10 Suchergebnisse gehören doch heute schon Mainstreambloggern.
@Erik:
Der Gedanke der Mikromillieus (ein gutes Wort, finde ich) liegt ja auch lieblnk zugrunde. Die Frage ist eben, wie sehr sich diese zu Makromillieus pushen und aufbauen lassen, die tragfähig genug sind, eine dominierende Rolle zu übernehmen.
Wenn es wirklich gelingen würde, menschliche Bedürfnisse nach Zustimmung, Einigkeit und gegenseitiger Gefälligkeit und die heutigen Erscheinungsformen angepasster Identitäten zum Mainstream zu machen, halte ich das schon für bedenklich.
Bei der aktuell schon bestehenden Mitwirkungsfaulheit in allen Lebensbereichen gebe ich dem grundsätzlich aber nicht mehr Chancen als die auf einen Hype oder bestenfalls Trend.
Zur Frage des Pageranking: ich gehöre zu den Menschen, die auch im realen Leben auf Seite 1 kaum die wirklich interessanten Informationen erwarten, sondern erst dahinter. So lange es diese weiteren Seiten noch uneingeschränkt gibt, betrachte ich das als relative Diskriminierungsfreiheit – schließlich ist es mein Job, mich dorthin durchzuklicken und wenn es unübersichtlich ist, war meine Frage unpräzise.